IOTA – Domo arigato, Mr. Roboto

IOTA – Domo arigato, Mr. Roboto

Willkommen, Zukunft – willkommen, IOTA

Ja, vielen Dank auch, IOTA. Du wirst die Welt von morgen entscheidend mitprägen! Das Internet der Dinge (IoT) und die Industrie 4.0 werden schon bald unser tägliches Leben neu definieren und bestimmen.

Das Ziel des Startups mit Sitz in Berlin unterscheidet sich deutlich von allen anderen Kryptoprojekten, da es sich ausschließlich auf die Kommunikation und die Zahlung zwischen smarten Geräten bzw. Maschinen konzentriert. (Machine-to-Machine, M2M).

Wer hat nicht schon einmal davon geträumt, dass ein Kühlschrank automatisch Milch nachbestellt und diese dann auch gleich bezahlt? Oder dass die Parkgebühr beim Herausfahren aus dem Parkhaus ohne eigenes Zutun vom Auto an das Parkhaus entrichtet wird? Das umständliche Mitführen von Kleingeld und die unvermeidliche Suche nach dem ausgestellten Parkticket wird sich dann von selbst erledigen.

Bezahlen – Wie es in der Praxis aussehen könnte

Artikel IOTA, Bild Eggib-Internet-Things

Das IOTA-Projekt adressiert genau diese Anwendungsfälle, bei denen Maschinen untereinander kommunizieren und gegenseitig Zahlungen mit IOTA-Münzen durchführen können. Dafür müssen sie über eine digitale Brieftasche, eine IOTA-Wallet, verfügen. Hier sind zwei mögliche Ausprägungen zu betrachten:

1. Alle Maschinen eines Besitzers greifen auf dessen zentrale Wallet zu. Diese Variante klingt im ersten Augenblick sehr verlockend, da sich der Besitzer nur um diese eine Wallet kümmert und sich seine Geräte eigenständig daraus bedienen können. Rein technisch muss in diesem Fall jedoch der notwendige Seed, ein geheimes Passwort zur autorisierten Verwendung der Wallet, über Datennetze hinweg übertragen werden.

Damit der Seed bei der Übertragung nicht durch Unbefugte mitgelesen und missbraucht werden kann, müssten hier mathematisch aufwändige Verfahren wie Hashwerte oder Schlüsselaustausch-Protokolle (Key Exchange Protocols), basierend zum Beispiel auf dem Diffie-Hellman-Algorithmus, zum Einsatz kommen. Das Internet der Dinge oder auch Internet of Things (IoT) genannt, besteht allerdings nicht nur aus leistungsstarken Geräten im Hinblick auf die Prozessorleistung oder etwa den Hauptspeicher.

Stattdessen kann es sich dabei um winzige Sensoren handeln, die derart ressourcenhungrige Aufgaben wie vorgenannte nicht oder zumindest nicht in Echtzeit erfüllen können. Die Variante mit zentraler Wallet ist demnach für die breite Masse von Geräten aus dem Internet of Things unpraktikabel.

2. Alle Maschinen verfügen über eigene Wallets, die regelmäßig durch den Besitzer aus der zentralen Wallet befüllt werden. Dies kann er manuell tun oder automatisch erledigen lassen, vergleichbar mit einer Banküberweisung bzw. einem Dauerauftrag. Diese Ausprägung mag umständlich erscheinen, aber sie ist auch wesentlich sicherer, da kein geheimer Seed über unsichere Datenleitungen übertragen wird. Das ist IOTAs angestrebter Weg – Stand heute.

IOTAs Fundament – Nicht auf Sand gebaut

IOTA basiert nicht wie beispielsweise Bitcoin oder Ethereum auf einer Blockchain, sondern verwendet stattdessen einen gerichteten azyklischen Graphen namens Tangle. Die Besonderheit des Tangles liegt in seiner konsequenten Dezentralität. Es wird nicht mehr zwischen Minern und (normalen) Benutzern unterschieden, da jeder Benutzer gleichzeitig auch als Miner fungiert.

Tatsächlich ist der Begriff Miner hier falsch, da im Gegensatz zu anderen Kryptoprojekten keine Belohnungen für das Hinzufügen neuer Transaktionen zum Tangle in Form von IOTA-Münzen ausgeschüttet werden. Daher hat sich der Begriff Validatoren etabliert, welche Transaktionen vor dem Einfügen in den Tangle auf Korrektheit hin überprüfen. Um den Tangle um eine neue Transaktion erweitern zu dürfen, muss der Validator zuerst zwei bereits vorhandene Transaktionen im Tangle überprüfen. Jeder Teilnehmer am IOTA-Tangle ist somit Benutzer und Validator zur selben Zeit.

Da keine Miner neue Münzen aus dem Nichts erschaffen können, was der eigentlichen Bedeutung des Wortes Mining entspricht, wurde die maximale Anzahl von IOTA-Münzen per Softwaredesign im 0. Block des Tangles festgelegt. (Merke: In der Informatik beginnt man in der Regel mit dem Zählen bei 0.) Der Genesis-Block definiert 2,8 Millarden Einheiten. Dieses Pre-Mining garantiert die Sicherheit gegen Inflation, da es nie mehr oder weniger als diese Anzahl von IOTA-Münzen geben wird.

IOTA und das liebe Geld

Ein weiteres Merkmal IOTAs sind Mikrozahlungen (micro payments). Mikrozahlungen ermöglichen die Überweisung von Beträgen mit einem Transaktionswert von deutlich unter einem Eurocent. Daher werden vom Menschen handelbare Einheiten in MIOTA, also eine Million IOTA zusammengefasst. Der aktuelle Kurs (Sommer 2018) eines MIOTAs liegt mit 0,85 Euro noch ein gutes Stück von seinem Allzeithoch von rund 4,50 Euro an Weihnachten 2017 entfernt.

Der IOTA-Tangle ist hoch skalierend! Je mehr Benutzer Transaktionen zum Tangle beitragen möchten, desto mehr bestehende Transaktionen werden validiert. Die Geschwindigkeit des Tangles erhöht sich folglich proportional zu der Anzahl der Benutzer und der neuen Transaktionen. Wegen der Abwesenheit von Minern und folglich Transaktionskosten verwundert IOTAs ungeheure Popularität bei Herstellern mit Schwerpunkt IoT sicherlich niemanden.

Romanzen mit Zukunft – IOTAs Partnerschaften

IOTA konnte trotz seines junges Alters von nur einem Jahr mit Bosch und Volkswagen bereits zwei Schwergewichte der deutschen Industrie von sich und seiner Technologie überzeugen. Darüber hinaus unterstützt das Projekt Taipeh, die Hauptstadt Taiwans, bei der Transformation in eine vollständig digitalisierte Metropole. Auch Norwegens größte Bank, DNB ASA, zeigt sich von IOTA begeistert.

Dennoch musste IOTA bereits Rückschläge verkraften: Eine kriminelle Webseite, die den geheimen Seed zum Zugriff auf die eigene Wallet für IOTA-Investoren komfortabel generierte, missbrauchte ihn später für den Diebstahl digitaler IOTA-Münzen aus den Wallets der Investoren.

1,21 Gigawatt pure Innovation – IOTAs goldene Zukunft

Dennoch steht der absehbaren Adoption von IoT nebst entsprechenden Kryptowährungen durch die breite Masse aus Sicht des Autors nichts mehr im Wege. Das Internet der Dinge lässt sich nicht mehr aufhalten, da es einen Quantensprung in der technologischen Entwicklung darstellt.

Und auch IOTA weiß um die Bedeutung innovativer Funktionen. Im Rahmen des geheimnisvollen Qubic-Projekts, auch als Project Q bekannt, tüfteln die IOTA-Macher um den Südtiroler Dominik Schiener an innovativen Technologien wie Smart Contracts und Oracles.

Smart Contracts werden beim Eintreffen vordefinierter Ereignisse automatisch ausgeführt und lösen so beispielsweise einen Transfer von IOTA-Münzen von Käufer zu Verkäufer aus. Oracles hingegen geben einem Smart Contract Auskunft über Ereignisse und Daten aus der realen Welt. Die Parkgebühren für das Abstellen des Fahrzeugs könnten zum Beispiel um einen bestimmten Prozentsatz ermäßigt werden, wenn es sich um einen besonderen Tag handelt oder im Rahmen einer werbewirksamen Rabattaktion.

Aktuell ist IOTA durch seinen Tangle praktisch ohne Konkurrenz. Es ist jedoch absehbar, dass mit eintretendem Erfolg Nachahmer ebenfalls auf diese Technologie setzen werden. Ethereum und Co. versuchen schließlich auch vehement, die traditionelle Alleinherrschaft des Bitcoins zu brechen.

Wie es kommen wird, weiß heute natürlich noch keiner. Im Moment sieht IOTAs nahe Zukunft definitiv rosig aus. Um es mit kaiserlichen Worten zu sagen: “Schau’n mer doch einfach mal!”

Dieser Artikel ist auch in einer angepassten Version auf Chip.de und Focus.de erschienen.